23.12.2018

190. Geburtstag Mathilde Wesendonck

190. Geburtstag Mathilde Wesendonck



Als Motto für den 23. Dezember 1828 könnte ein Zitat aus Goethes Faust (Faust I. Vers 447 f.) zutreffender nicht sein:
Wie alles sich zum Ganzen webt,
Eins in dem andern wirkt und lebt!

Geboren als Agnes ist sie das zweite Kind der Familie Luckemeyer in Elberfeld (heute Wuppertal). Sie wohnen in der Straße Kipdorf B27 (heute: Nr. 38).  Die Luckemeyers sind eine Kaufmannsfamilie.
Ihr Vater Karl betreibt eine Garn- und Wollfärberei, später ist er in der Wolle- und Seidenherstellung tätig. Die Familie Wesendonck ist ein Geschäftspartner von ihm.
Ihre Mutter Johanna war die Tochter des Bankgründers Johann Heinrich Stein und seiner Frau Katharina.
Ihr älterer Bruder Rudolph wurde 1826 geboren, ihr kleiner Bruder Eduard 1830 und ihre Schwester Marie 1836.
1831 zog die Familie Luckemeyer nach Düsseldorf, wo er 1835 Mitbegründer der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahngesellschaft (DEEG) war und ihrem Verwaltungsrat angehörte. 1837 wurde er in die Direktion gewählt.
1836 war er einer der Mitgründer der Dampfschiffahrts-Gesellschaft für den Nieder- und Mittel-Rhein. Er wurde ihr erster Direktor.
1848/49 war er Vizebürgermeister von Düsseldorf und stand in naher persönlicher Beziehung zum Oberbefehlshaber des preussischen Heeres und König Friedrich Wilhelm IV. 1852/53 wurde er Königlicher Commerzien-Rath.

Agnes besuchte die höhere Töchterschule des Lehreres Lieth. Sie ist die Schulfreundin von Bertha und Alwine von der Heydt. Ab den 1840er Jahren besuchte sie das Mädchenpensionat in Dünkirchen (Dunkerque, Frankreich). Sprachen sind ihre Leidenschaft, sie lernte Französisch, Englisch und später Italienisch. Sie kann auch die Klassiker der Antike in Griechisch lesen.
1847 lernt sie Otto Wesendonck auf einer Hochzeit kennen und 1848 erfolgt die Verlobung mit Otto. Am 19. Mai heiraten beide in Düsseldorf. Bruder Rudolph ist ihr Trauzeuge. Auf Ottos Bitten hin nimmt sie den Namen Mathilde an.

Otto ist im Seidenhandel tätig und der deutsche Geschäftspartner der New Yorker Firma Loeschigk, Wesendonck & Co. Ab 1851 wählt er aus geschäftlichen Gründen Zürich zu seinem Wohnsitz. Für sechs Jahre bewohnen sie eine Suite im Hôtel Baur au Lac

Die Ereignisse von 1848/49 hatten zur Folge, dass viele aus Deutschland fliehen mussten. Darunter befand sich auch der steckbrieflich gesuchte Hofkapellmeister Richard Wagner aus Dresden

1852 besuchte das Ehepaar Wesendonck ein Konzert der Allgemeinen Musikgesellschaft im Aktien-Theater, welches Richard Wagner dirigierte. Einen Monat später waren sie Gäste eines weiteren Konzertes (Coriolan-Ouvertüre, 5. Sinfonie Beethovens) – – Die Geschichte nahm ihren Lauf. 

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Zu Ehren des 190. Geburtstages brachte der Mathilde-Wesendonck-Verband einen Satz Briefmarke individuell bei der Deutschen Post heraus.

Satz Briefmarke individuell der Deutschen Post zu Ehren von Mathilde Wesendonck.


Links:

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31.08.2018

Drei Rosen - Grabaktion 2018

Drei Rosen für ... - Grabaktion 2018




Faszinierende Mathilde-Wesendonck-Gedenkfeier mit dem RWV Köln

31. August 1902. Tod der Frau, die die Musikgeschichte grundlegend verändert hat:

Musik trat durch sie in eine neue Dimension, so Klaus Bitter, 2013 Gründungsmitglied des Mathilde-Wesendonck-Verbandes. „Sie war es, die Richard Wagner neue Töne fühlen ließ. Sie war es, nach der Wagner nicht mehr Gassenhauer schrieb.“

Der Richard Wagner Verband Köln war mit einer gut 10 Mann- und Frau-starken Truppe angereist, um etwas mehr über die Frau zu erfahren, die so eng mit dem Schaffen Richard Wagners verbunden ist.

„Warum liegt ihr Grab nicht in Köln?“ Anschaulich, ihre Familiengeschichte einbeziehend, war wirklich nur eine Schlussfolgerung möglich: „Ja, das Grab musste nach Bonn. Denn in Bonn war plötzlich ein junger Sohn Mathildes verstorben. Mathilde und ihr Mann Otto, der reiche Seidenhändler, waren aber im fernen Ägypten – und der Junge musste schließlich unter die Erde.“

Und nun öffnete sich für Bitter das Tor, um die Kongenialität zwischen der jungen Mathilde und Wagner aufzuzeigen, indem Bitter enthusiastisch drei der Wesendonck-Lieder als Texte vortrug.

Dieses, konnte er nachweisen, war Mathildes Sicht, dass Liebe bis zum Tode ging – und dann „versinkt in der Gruft“.

Doch Wagners Sicht wurde ja dann eine andere – nicht Liebe bis zum Tod, sondern Liebe nach dem Tod, Liebe durch den Tod: „Liebestod“ – als Hoffnung für jene, die wie er und Mathilde auf der Erde nicht zusammenkommen können.

Mit großem Pathos legte Bitter dar, dass der „Liebestod“ textlich vom Physischen („Seht ihr's nicht?“) zum Metaphysischen übergeht – Tristan als Lichtwesen.

Mehr noch: Wagner beschreibt im Finale, im Höhepunkt der Oper dann nicht einmal mehr das Höchste der Liebe – sondern das Höchste der Musik: „Hör ich nur diese Weise“. Musik, auf deren Wellen Tristan entschwebt, um sich im All endlich mit Mathilde zu vereinen: „Allumfangen – Höchste – Lust“.

Ergriffen lauschten die Wagnerianer in diesem Verständnis dem „Liebestod“ vom Band, um dann zum jährlichen Höhepunkt am Grab Mathildes zu schreiten:

27 gelbe und rote Rosen wurden in kleinen Dreiergruppen am Grab verteilt – Sinnbild für das fruchtbare Dreiecksverhältnis zwischen Mathilde, ihrem Mann Otto und Wagner: Zwei rote und eine gelbe Rose, oder eine rote, zwei gelbe Rosen.
 

Ein rundum faszinierender Nachmittag. Eingeleitet durch einen nicht minder interessanten Spaziergang über den Alten Friedhof mit Stadtführer Lankes – vorbei am Grab von Mutter Beethoven, vorbei am Grab der Frau und dem Sohn von Friedrich von Schiller und vorbei am bombastischen Grab von Robert und Clara Schumann.
 
 
Christian Stürzl, Vorsitzender des Richard-Wagner-Verbandes Köln, hatte gottlob eine kleine Stärkung mitgebracht: Zwieback. Natürlich nicht, ohne den bewusst zwiespältig formulierten Brief Wagners an Mathilde über ihren leckeren Zwieback vorzutragen.

Dass die Tüte irgendwann verschwunden war, lag an Karin Isolde, der Tochter von Klaus Bitter. Sie hatte vorher eifrig mitgeholfen, das Grab wieder auf Hochglanz zu polieren – und hatte jetzt Hunger! Ihretwegen hatte Bitter den Verband 2013 gegründet – mit Thomas Seidel, Betreiber der Seiten Mathilde-Wesendonck-Verband.de und Wesendonck-Wagner.de.
 
 
Ein toller Nachmittag. Wer nicht dabei war, hat was verpasst. Pech gehabt – und keinen Zwieback bekommen! Die nächste Chance bietet sich am Samstag, den 31.08.2019 – 15 Uhr, Treffen am Eingang zum Alten Friedhof: „Höchste – Lust!“

Kontaktdaten:
  • Mathilde-Wesendonck-Verband: Klaus Bitter: OneTwoThree@Web.de
  • Richard-Wagner-Verband Köln: Christian Stürzl: st.chris@me.com
  • Stadtführer Bonn: Toni Lankes: TLankes@t-online.de





Bilder:
  1. Klaus Bitter

Links:

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